Dark Patterns in Online-Shops: So werden Sie manipuliert
Beim Online-Shopping stoßen Verbraucher immer häufiger auf sogenannte Dark Patterns – manipulative Designtechniken, die Kaufentscheidungen beeinflussen und Nutzer zu ungewollten Handlungen verleiten. Das Deutsches Institut für Verbraucherschutz (DIV) hat die häufigsten Dark Patterns in deutschen Online-Shops untersucht und zeigt, wie Sie sich schützen können.
Was sind Dark Patterns?
Dark Patterns sind Benutzeroberflächen-Designs, die absichtlich so gestaltet sind, dass Verbraucher Entscheidungen treffen, die nicht in ihrem Interesse liegen. Der Begriff wurde vom britischen UX-Forscher Harry Brignull geprägt. Die Techniken reichen von subtilen visuellen Tricks bis hin zu offener Täuschung und verursachen laut einer EU-Studie jährlich Milliardenschäden für europäische Verbraucher.
Die häufigsten Dark Patterns in Online-Shops
- Confirmshaming (Beschämen): Der Abmeldelink wird mit Schamgefühlen belegt, etwa „Nein, ich möchte nicht sparen" oder „Ich verzichte auf den Rabatt". Damit wird psychologischer Druck aufgebaut.
- Versteckte Kosten: Zusätzliche Gebühren wie Servicekosten, Bearbeitungsgebühren oder Versicherungen werden erst im letzten Schritt des Bestellprozesses angezeigt, wenn der Kunde bereits investiert hat.
- Forced Continuity: Kostenlose Testphasen gehen automatisch in kostenpflichtige Abonnements über. Die Kündigung wird bewusst erschwert, etwa durch versteckte Kündigungsseiten oder telefonische Pflicht-Kontaktaufnahme.
- Countdown-Timer: Künstliche Dringlichkeit durch ablaufende Timer: „Angebot endet in 03:42 Minuten". In Wahrheit startet der Timer bei jedem Seitenbesuch neu.
- Vorausgewählte Optionen: Zusatzprodukte wie Garantieverlängerungen, Newsletter-Abonnements oder Spendenbeträge sind vorab angehakt und müssen aktiv abgewählt werden.
- Roach Motel: Anmeldung oder Bestellung ist einfach, die Kündigung oder Löschung des Kontos dagegen absichtlich kompliziert und über mehrere Seiten verteilt.
Rechtliche Grundlagen: Was ist verboten?
Der EU Digital Services Act (DSA), der seit Februar 2024 in vollem Umfang gilt, verbietet Online-Plattformen ausdrücklich die Verwendung von Dark Patterns. Insbesondere dürfen Plattformen die Entscheidungsfreiheit der Nutzer nicht durch manipulative Benutzerführung einschränken. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes geahndet werden.
Auch das deutsche Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) untersagt irreführende geschäftliche Handlungen. Versteckte Kosten verstoßen zudem gegen die Preisangabenverordnung (PAngV), die eine transparente Preisauszeichnung inklusive aller Gebühren vorschreibt. Vorausgewählte Zusatzleistungen verstoßen nach § 312a BGB gegen die Button-Lösung.
So schützen Sie sich vor Dark Patterns
Lesen Sie jeden Bestellschritt sorgfältig und prüfen Sie den Gesamtpreis vor dem Kauf. Entfernen Sie vorausgewählte Häkchen und lassen Sie sich nicht von Countdown-Timern unter Druck setzen. Nutzen Sie Browser-Erweiterungen, die manipulative Designelemente erkennen und hervorheben. Melden Sie Dark Patterns bei der Verbraucherzentrale oder bei der zuständigen Aufsichtsbehörde – nur so können Behörden gegen Verstöße vorgehen und den Verbraucherschutz im digitalen Raum durchsetzen.
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