Amtliche VeröffentlichungZentralstelle Verbraucherschutz Deutschland · Geschäftszeichen ZVD-AZ-2026/1001
Zum Inhalt springen
UnabhängigDSGVO / SSLKeine ProvisionenEU-Verbraucherschutz konformServerstandort DESeit 2024 · München
Lebensmittel & Ernährung

Nahrungsergänzungsmittel: Mehr Risiko als Nutzen?

·6 Min. Lesezeit

Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in Deutschland wächst rasant – der Umsatz liegt bei über 2,5 Milliarden Euro pro Jahr. Vitamin D, Magnesium, Omega-3-Fettsäuren und Zink gehören zu den beliebtesten Produkten. Doch das Deutsches Institut für Verbraucherschutz (DIV) warnt: Die meisten Menschen brauchen keine Nahrungsergänzungsmittel, und eine Überdosierung kann ernsthafte Gesundheitsrisiken bergen.

Warum Nahrungsergänzungsmittel oft überflüssig sind

Eine ausgewogene Ernährung deckt bei den meisten Menschen den gesamten Nährstoffbedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) betont, dass die Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen in Deutschland grundsätzlich gut ist. Lediglich bei Vitamin D gibt es in den Wintermonaten eine weitverbreitete Unterversorgung, die eine Supplementierung rechtfertigen kann.

Das Problem: Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel, nicht als Arzneimittel. Sie durchlaufen keine Zulassungsprüfung und müssen vor dem Verkauf weder ihre Wirksamkeit noch ihre Sicherheit nachweisen. Eine Anmeldung beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) genügt.

Gesundheitsrisiken durch Überdosierung

  • Vitamin A: Eine dauerhafte Überdosierung kann zu Leberschäden, Kopfschmerzen und bei Schwangeren zu Fehlbildungen des Kindes führen.
  • Vitamin D: Zu hohe Dosen führen zu einer Hyperkalzämie – einem gefährlich erhöhten Kalziumspiegel im Blut, der Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen verursachen kann.
  • Eisen: Eine unnötige Eisensupplementierung kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen und bei der Erbkrankheit Hämochromatose schwere Organschäden verursachen.
  • Beta-Carotin: Studien zeigen, dass hochdosiertes Beta-Carotin bei Rauchern das Lungenkrebsrisiko signifikant erhöht.
  • Wechselwirkungen: Nahrungsergänzungsmittel können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Johanniskraut verringert die Wirksamkeit der Antibabypille, Vitamin K beeinflusst Blutverdünner, Kalzium hemmt die Aufnahme bestimmter Antibiotika.

Wann Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein können

Es gibt Situationen, in denen eine gezielte Supplementierung medizinisch sinnvoll ist: bei ärztlich nachgewiesenem Mangel, in der Schwangerschaft (Folsäure, Jod), bei veganer Ernährung (Vitamin B12), bei chronischen Erkrankungen mit erhöhtem Nährstoffbedarf oder bei älteren Menschen mit eingeschränkter Nährstoffaufnahme. In all diesen Fällen sollte die Einnahme jedoch ärztlich begleitet und durch eine Blutuntersuchung kontrolliert werden.

Empfehlung des DIV

Das DIV empfiehlt: Nehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel nur nach ärztlicher Rücksprache und bei nachgewiesenem Bedarf ein. Lassen Sie sich nicht von Werbeversprechen leiten – Aussagen wie „stärkt das Immunsystem" oder „für mehr Energie" sind allgemein gehaltene Health Claims und kein Beleg für individuelle Wirksamkeit. Kaufen Sie Produkte nur von seriösen Herstellern mit vollständiger Deklaration und halten Sie sich strikt an die empfohlene Dosierung. Im Zweifel ist ein Arztbesuch mit Blutbild immer die bessere Investition als ein teures Nahrungsergänzungsmittel.