Streaming wird teurer: Können Sie widersprechen?
Die Preise für Streaming-Dienste steigen kontinuierlich. Netflix, Disney+, Amazon Prime, Spotify und andere Anbieter haben ihre Tarife in den letzten Jahren teilweise mehrfach angehoben. Für Verbraucher stellt sich die Frage: Müssen Sie jede Preiserhöhung akzeptieren, oder können Sie widersprechen? Das Deutsches Institut für Verbraucherschutz (DIV) klärt die Rechtslage.
Aktuelle Preisentwicklung der Streaming-Dienste
Die Preise der großen Streaming-Anbieter sind in den letzten drei Jahren deutlich gestiegen. Ein Standard-Abo bei Netflix kostet inzwischen 13,99 Euro monatlich – 2021 waren es noch 11,99 Euro. Disney+ hat den Preis von anfänglich 6,99 auf 9,99 Euro angehoben (ohne Werbung: 13,99 Euro). Auch Spotify hat sein Einzelabo von 9,99 auf 11,99 Euro erhöht. Wer mehrere Dienste abonniert, zahlt schnell 40 bis 60 Euro pro Monat.
Rechtliche Grundlagen: Wann sind Preiserhöhungen zulässig?
Streaming-Dienste nutzen in der Regel monatlich kündbare Abonnements. Bei diesen Verträgen ist die Rechtslage klar: Der Anbieter darf den Preis ändern, muss die Änderung aber rechtzeitig ankündigen. Der Verbraucher hat dann die Wahl, die Erhöhung zu akzeptieren oder das Abo zu kündigen. Ein gesetzliches Widerspruchsrecht im eigentlichen Sinne besteht bei monatlich kündbaren Verträgen nicht – Sie können aber jederzeit kündigen.
Anders sieht es bei Jahresabonnements aus: Hat der Anbieter einen Festpreis für zwölf Monate zugesagt, darf er diesen während der Laufzeit nicht einseitig erhöhen. Eine Preisanpassung kann erst zum Ende der Laufzeit erfolgen, wobei der Anbieter rechtzeitig darüber informieren muss.
Sonderkündigungsrecht bei Streaming-Diensten
- Monatlich kündbare Abos: Sie können zum Ende des laufenden Monats kündigen. Kündigen Sie sofort nach Ankündigung der Preiserhöhung, um nicht den neuen Preis zu zahlen.
- Jahresabos: Bei einer Preiserhöhung vor Ablauf der zugesagten Laufzeit steht Ihnen ein Sonderkündigungsrecht zu. Zudem ist die Preiserhöhung in diesem Fall unwirksam.
- Leistungsänderungen: Werden neben dem Preis auch Leistungen geändert (z. B. Einführung von Werbung im bisherigen werbefreien Abo), handelt es sich um eine wesentliche Vertragsänderung, die ebenfalls ein Kündigungsrecht auslöst.
Praktische Tipps zum Sparen bei Streaming
Prüfen Sie regelmäßig, welche Streaming-Dienste Sie tatsächlich nutzen. Kündigen Sie ungenutzte Abos sofort. Nutzen Sie Familientarife, wenn möglich – diese sind pro Person deutlich günstiger. Vergleichen Sie die werbefinanzierten Basis-Tarife, die Netflix und Disney+ anbieten: Für 5,99 bzw. 5,99 Euro monatlich erhalten Sie das gleiche Angebot mit Werbeunterbrechungen.
Alternativ können Sie einen Rotationszyklus nutzen: Abonnieren Sie abwechselnd verschiedene Dienste für jeweils ein bis zwei Monate, schauen Sie die gewünschten Inhalte und kündigen Sie dann. Dank der monatlichen Kündbarkeit ist dies jederzeit möglich und vollkommen legal. Das DIV rät: Überprüfen Sie Ihre Streaming-Kosten mindestens halbjährlich und passen Sie Ihre Abonnements an Ihr tatsächliches Nutzungsverhalten an.
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